Was haben scheinbar weit entfernte Felder wie Lagerlogistik, Geovisualisierung und KI miteinander zu tun? Eine ganze Menge! Das haben die Studierenden des THWS-Studiengangs Geovisualisierung in ihrem jüngsten Semesterprojekt, das in Kooperation mit der Würzburger Firma Flexus AG durchgeführt wurde, eindrucksvoll bewiesen. Zugleich machte das praxisnahe Projekt deutlich, welch vielfältige Karriereperspektiven und Berufsfelder ein Studium der Geovisualisierung eröffnet.
Das Thema, das THWS-Dozent Stefan Sauer seinem 7. Semester gestellt hatte, klang kompliziert: „Entwicklung einer datenbankbasierten Echtzeitsimulation einer universellen Hochregallager-Szene mit automatischem Pathfinding in Unity 3d in Kooperation mit der Firma Flexus AG.“ Konkret sollten die 16 Studierenden ein Lager aus Hochregal-, Kisten- und Zwischenlager planen und simulieren, das automatisch aus einer bestehenden Datenbank befüllt wird. Selbstfahrende Gabelstapler und AMR-Transportroboter sollten dann möglichst zeitsparend, effizient und fehlerfrei Jobs wie Transportieren oder Ausliefern abarbeiten. Zu berücksichtigen waren Gewicht und Größe der Waren ebenso wie Tragkraft und Geschwindigkeit der Fahrzeuge; Zusammenstöße mit kreuzenden Reinigungsrobotern und umherlaufenden Menschen sollten vermieden werden.

Die Flexus AG stellte den Studierenden dafür ein reales Lagerszenario zur Verfügung. Als Experte im Bereich SAP Intralogistics entwirft und optimiert die Firma mit aktuell etwa 100 Mitarbeitenden die Lager-Prozesse von Kunden in den unterschiedlichsten Branchen. Geschäftsführer Stefan Popp und sein Team waren vor dem Startschuss im Herbst fest davon überzeugt, dass die Aufgabenstellung zu komplex ist: „Die Anforderungen waren hoch, die Zeit extrem kurz, und die Studierenden keine Informatiker“, brachte es Daniel Schönlein auf den Punkt. Bei der Endpräsentation zeigten sich die Flexus-Mitarbeiter dann aber nachhaltig beeindruckt und verliehen Preise an die drei besten Arbeiten.
In sechs Kleingruppen haben die THWS-Studierenden die Herausforderung angenommen: Während einige Teams die Aufgaben arbeitsteilig in Programmierung und 3D-Modellierung aufteilten, erarbeiteten andere die erforderlichen EDV- und Grafikschritte gemeinsam. Ausdrücklich erwünscht war, sich beim Skripten Hilfe einer Künstlichen Intelligenz zu holen. „Statt ChatGPT in der Lehre zu verteufeln, sollten wir uns diese Technologie aneignen“, begründet Stefan Sauer und liegt dabei ganz auf Linie der THWS-Leitung, die allen Studierenden und Mitarbeitenden die neueste Version von ChatGPT kostenlos zur Verfügung stellt.
Die Ergebnisse waren trotz gleicher Ausgangslage erstaunlich individuell: Einige Teams legten großen Wert auf die grafische Modellierung und detaillierte Animationen – zu sehen sind etwa die Aufnahme von Waren auf den Stapler, sich lebensnah bewegende Menschen oder sogar die Innensicht aus einem fahrenden Stapler. Andere haben durch eine Fahrzeug-Hierarchie im Code eine Lösung gegen Kollisionen gefunden, die Fahrwege mittels Koordinatenberechnung und Distanzmessung optimiert oder ein benutzerfreundliches Oberflächendesign entworfen, das an die Corporate Identity von Flexus angepasst ist.

Stefan Popp lobte die pfiffigen Ergebnisse, den kundenorientierten Blick und die ansprechende Präsentation: „Im Berufsleben zählt nicht nur die Lösung, sondern dass man sie dem Kunden auch gut präsentieren und verkaufen kann“, betonte er und bot den Studierenden Werkstudentenverträge an. Daniel Schönlein und Johannes Karpf dankten für neue Denkansätze aus einer neuen Richtung. So seien etwa die Visualisierungseffekte gewinnbringend für das Angebot der Flexus AG.
Gewonnen hat nach Ansicht des hochzufriedenen Dozenten Stefan Sauer nicht nur das Siegerteam mit Barbara Hahn, Selina Lochmann und Pauline Adam, sondern der gesamte Kurs. „Ich habe gelernt, dass auch scheinbar unlösbare Aufgaben lösbar sind“, sagte eine Studentin – und das, obwohl das Programmieren nicht zu ihren Stärken zähle; für sie sei das Projekt eine Bestärkung, ab sofort auch Stellenanzeigen mit Programmierkenntnissen in Erwägung zu ziehen. Einer ihrer Kommilitonen zeigte sich beeindruckt ob der rasanten Entwicklung sowie der Chancen und Grenzen von KI in der Geovisualisierung. ChatGPT, Copilot und Co seien für ihn künftig Inspiration, Anstoß und Unterstützung, um weiter- und größer zu denken.
Anja Legge
Screenshot: THWS
Mehr zum Thema lesen Sie auf der Homepage der THWS oder auf dem Blog Geovisualisierung von Stefan Sauer